PROJEKTREPORTAGE

Museum Barberini, Potsdam

Hilmer & Sattler und Albrecht Architekten, Berlin

Italienisches Flair in Potsdam: Die Nikolaikirche überragt das an den römischen Palazzo Barberini angelehnte Museum.

Vom Kulissenbau zum Kunstmagnet

  • Autor: Klaus Rathje
  • Fotos: Stefan Müller, Helge Mundt, Museum Barberini, Christine Dempf

Es ist ein wichtiger Baustein in der Wiederherstellung des alten Potsdamer Marktplatzes aus der Zeit Friedrichs des Großen, aber auch ein bedeutender Kulturbeitrag: Mit dem Museum Barberini gelang die Rekonstruktion eines Barock-Palais und gleichzeitig entstand ein hochmoderner Ort, um Kunst zu erleben.

In seinem Berliner Büro hängen jetzt drei große Säulenkapitelle nebeneinander an der Wand. Es sind die Modelle für das Museum Barberini, das der Berliner Architekt Thomas Albrecht von Hilmer
& Sattler und Albrecht Architekten im Auftrag der Hasso Plattner Stiftung gebaut hat. Die Kapitelle erzählen die ganze Geschichte der Rekonstruktion eines Barockbaus mit modernen Mitteln. Alte
Zeichnungen und Fotografien bildeten die Vorlage, aber komplexere Bauteile – wie die Kapitelle, Vasen und Schlussteine – muss zunächst ein Bildhauer als Modell vorformen. Tatsächlich kommt
dann ein moderner Fräs-Roboter zum Einsatz, um eine kleine Serie zu produzieren, aber der letzte Schliff kommt wieder von Menschenhand, denn die Kapitelle sollen nicht identisch sein.

Italienisches Flair in Potsdam: Die Nikolaikirche überragt das an den römischen Palazzo Barberini angelehnte Museum.

Den Anspruch, „echte“ Renaissance zu schaffen, wo es keine exakte Symmetrie und Gleichheit gibt, aber doch modern zu sein, ist Thomas Albrecht mit dem Museum Barberini gelungen. Dabei ist die Vorgeschichte gar nicht so glamourös. Friedrich der Große wollte im Zentrum von Potsdam einfach nur auf etwas Schönes sehen, wenn er aus dem Stadtschloss herausschaute. Das 1771/72 gebaute Palais Barberini war also ein reiner Kulissenbau nach dem Vorbild des römischen Palazzo Barberini, der heute übrigens auch als Kunstmuseum dient. Die Potsdamer Version beherbergte kein Adelsgeschlecht wie in Rom, sondern bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg eine Brauerei, ein Kino und eine Jugendherberge oder einfache Wohnungen.

Der Grundriss 1. Obergeschoss des Museum Barberini.

 

Dass das Barberini wieder eine Renaissance erfährt, ist den Plänen der Potsdamer Stadtväter zu verdanken, den Marktplatz im Stile des 18. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Nach dem Schlossneubau, wo heute der Landtag sitzt, sollte folgerichtig auch das Palais Barberini neu  entstehen. Über ein Jahr lang lief ein Investorenauswahlverfahren, das zunächst die Nutzung durch ein Hotel vorsah. Schließlich kam aber die Idee auf, aus dem Barberini ein Museum zu machen und zwar mit der Hasso Plattner Stiftung als Eigentümer. Der SAP-Gründer hatte eigentlich den Plan schon aufgegeben, Potsdam um ein Museum zu bereichern, das seine Privatsammlung der  Öffentlichkeit zugänglich machen sollte.

Das Museum Barberini wurde als Barockbau mit modernen Mitteln rekonsturiert.

„Es ist ein Unterschied, ob das Treppengeländer, das mich zu Monet führt, aus Aluminium ist – oder aus  Bronze. Wenn es aus Bronze ist, bin ich in einer anderen Stimmung.“

Thomas Albrecht, Architekt Museum Barberini

Plattner selbst lobt „das hohe Maß an Detailgenauigkeit und Qualitätsbewusstsein bei der Rekonstruktion“, was sicherlich auch dem hohen Budget geschuldet ist, das der Mäzen in den Bau
investiert hat. Die 48 Meter breite und 21 Meter hohe Fassade aus Elbsandstein wirkt nun geradezu feudal ohne die bunten Werbetafeln des Vorgängerbaus. Ganz links residiert jetzt ein öffentliches
Café, ganz rechts bietet ein Tor Zugang für die Lieferung von Kunstwerken und in der Mitte liegt der prunkvolle Eingang ins Museum bzw. der Zugang zum Innenhof, der von zwei Seitenflügeln
eingerahmt wird. Diese sind eine etwas modernere Version des barocken Vorderhauses und bilden eine stilistische Brücke in die Gegenwart.

Im Erdgeschoss befindet sich das Museumscafé.

Die Ausstellungsräume erinnern an die Berliner Gemäldegalerie, die ebenfalls vom Architekturbüro Hilmer & Sattler und Albrecht gestaltet worden ist. Für das in Berlin und München ansässige Büro ist das Barberini bereits der 13. Museumsbau. Nur dass hier alles noch eine Spur edler sein durfte: Das aufwendige Lichtsystem aus LED-Leuchten bietet Kunstfans ein echtes Erlebnis, die Klimaanlage ist entsprechend dimensioniert und erlaubt offene Türen zu den Ausstellungsräumen, ohne die sensiblen
Ölgemälde zu gefährden. Als Besucher bewegt man sich über Eichenparkett und Terrazzoböden und berührt bronzene Treppengeländer.

Die spezielle Klimaanlage sorgt für ein konstantes Raumklima.

Nach der Museumseröffnung im Januar mit einer Impressionismusausstellung folgt nun „Amerikas Weg in die Moderne“, u. a. mit Werken von Edward Hopper. Aber im Grunde lohnt der  Museumsbesuch schon allein, um sich das Gebäude anzuschauen. Der alte Fritz jedenfalls wäre sicherlich froh, wieder so einen prächtigen Ausblick zu haben.

Architekten

Hilmer & Sattler und Albrecht Architekten
Sophienstraße 33a
10178 Berlin
www.h-s-a.de

Hilmer & Sattler und Albrecht Architekten sind 2015 aus dem 1974 von Heinz Hilmer und Christoph Sattler in München gegründeten Büro Hilmer & Sattler hervorgegangen, das seit 1988 auch mit einer Niederlassung in Berlin tätig ist. Die Planungsschwerpunkte liegen im  hochwertigen Wohnungs- und Bürohausbau sowie im Museums- und Hotelbau. Städtebauliche Projekte sind ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Tätigkeitsfeldes. Neben Neubauprojekten gehören auch Umplanungen und Instandsetzungen zum Leistungsspektrum, das für öffentliche
und private Bauherren erbracht wird. Die durchschnittliche Bürostärke umfasst insgesamt 48 Mitarbeiter.

Projekte

Im Bau Palais Schellenburg, Ljubljana
2017 Schwabinger Tor, München
2015 Air Town BBI, Masterplan, Berlin
2015 Garnisonkirche, Potsdam
2015 Stadtschloss, Berlin

Produktinformationen

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